E-Commerce Interview: ZOOLOGO

Es ist schon ein paar Wochen her, als Martin von Gin in a Bottle im E-Commerce Interview aus dem Nähkästchen geplaudert und den einen oder anderen hilfreichen Tipp für angehende und langjährige Shop-Betreiber verraten hat. Heute, im zweiten E-Commerce Interview, gibt es einen harten Wechsel im Hinblick auf die Branche. Wir befinden uns nicht mehr in der interessanten Welt der Gins und Tonic Waters, sondern galoppieren im Schweinsgalopp in Richtung Tierbedarf. Als Interviewpartner hat sich freundlicherweise Markus Bückle von ZOOLOGO angeboten. Markus ist ein alter Hase im E-Commerce. Er hat unter anderem jahrelang beim Web Analytics Spezialisten econda (bekannt für den econda Shop Monitor) gearbeitet und mit mir zusammen das Buch „Handbuch Online-Shop: Erfolgsrezepte für den Online-Handel“ geschrieben.

Alex: Markus, starten wir doch kurz mit einer kleinen Vorstellung. Wer bist Du und was genau ist Dein Job bei zoologo.de?

Markus: Wie du ja bereits in der Einleitung erwähnt hast, war ich vor ZOOLOGO bei econda, einem Anbieter für Webanalyse- und Recommendationlösungen. Davor war ich bei diversen anderen Arbeitgebern im „Internetumfeld“ tätig, so dass ich mittlerweile auf 10 Jahre Erfahrung in diesem Bereich zurückblicken kann.

Meine Aufgaben bei ZOOLOGO sind sehr vielfältig. Kurz gesagt gehört alles, was auch nur im Entferntesten mit E-Commerce zu tun hat, zu meinen Aufgaben. Der Shop ist erst seit relativ kurzer Zeit online. Da geht es zum Einen noch darum, die „Kinderkrankheiten“ die jeder frisch gestartete Shop hat gemeinsam mit der Agentur zu eliminieren. Auf der anderen Seite sollen aber auch die Funktionalitäten immer weiter ausgebaut werden.

Alex: Zoologo.de ist erst vor einigen Monaten im E-Commerce (durch)gestartet. Was waren die Beweggründe für den Aufbau dieses Online-Shops, speziell im Hinblick auf die sehr starke Konkurrenz in diese Branche?

Markus: Das Unternehmen, zu dem ZOOLOGO gehört, betreibt bereits einige stationären Filialen und hat dadurch im Heimtierbereich eine jahrzehntelange Erfahrung. Die Branche in der wir uns bewegen, war also schon gesetzt. Sortimentskenntnisse und eine gewisse Affinität zu den Produkten sind für uns auch ganz klar Erfolgsfaktoren die man nicht unterschätzen sollte. Ein Start in einer komplett fremden Branche kommt auch aus diesem Grund nicht in Frage.

Nager_kategorie_1280x1280

Zoologo.de knabbert sich Richtung E-Commerce Erfolg.

Alex: Bei Zoologo.de kommt Shopware zum Einsatz. Warum Shopware? Was waren letztendlich die Gründe für diese E-Commerce Software und welche Systeme wurden zusätzlich evaluiert?

Markus: Angeschaut haben wir uns wahrscheinlich so gut wie jedes relevante Shopsystem. Dabei haben wir festgestellt, dass sich die einzelnen Systeme bei den Kernfeatures nur wenig unterscheiden. Für Shopware hat letztlich gesprochen, dass die Drittsysteme, die wir im Einsatz haben, sehr einfach angebunden werden konnten. Außerdem ist Shopware sehr innovativ. Wir erhoffen uns natürlich dadurch, dass auch zukünftige Anforderungen gut mit diesem System abgedeckt werden können.

Alex: Auch wenn der Online-Shop noch nicht all zulange live ist und man sich die Meinung zu diesem Thema erst sicherlich nach einigen Monaten bilden kann, aber was sind Deiner Meinung nach die Stärken von Shopware und gibt es Bereiche in denen Du bei diesem System an die Grenzen stößt?

Markus: Bisher sind wir mit Shopware noch nicht an die Grenzen gestoßen. Allerdings nutzen wir auch noch nicht alle Funktionen der Software. Der Shop ist noch im Aufbau und damit auch was die Funktionalität angeht noch nicht am Ende.

Alex: Es gibt, bleiben wir bei der Technik, ja zwei Philosophien. Entweder man lässt den Online-Shop selbst sehr “dumm” und verwendet ihn nur für die Bestellannahme. Oder man baut jede Funktionalität die man benötigt in das Online-Shop Backend. Wie ist bei Zoologo.de das Setup und warum hast Du dich für diesen Weg entschieden?

Markus: Wir nutzen tatsächlich noch einige Lösungen zusätzlich zu der Shopsoftware. Zum Beispiel bekommen wir Produktdaten und Abbildungen aus einem zentralen PIM . Alle Produktinformationen werden dort abgelegt und dann entweder für die stationären Filialen oder den Onlineshop genutzt. Somit reduziert sich der Pflegeaufwand für das Unternehmen enorm und der Onlineshop kann auf eine gewachsene Produktdatenbank zugreifen.

Auch für die Bestell- und Lagerverwaltung nutzen wir noch eine weitere Lösung. Bei diesen Themen stößt man mit Shopware und auch den meisten anderen Shopsystemem schnell an die Grenzen. Ab einem bestimmten Bestellaufkommen ist dies über die Shopsoftware nicht mehr zu handeln.

Alex: Neben der Technik ist das Online-Marketing ein enorm wichtiges Thema. Welche Kanäle nutzt Du, um möglichst viele Traffic für den Online-Shop zu generieren?

Markus: Aktuell nutzen wir die klassischen Online-Marketing Kanäle um Neukunden in den Shop zu bekommen. Dazu gehört Google Adwords, Preissuchmaschinen und Affiliate Marketing. Wir bauen aber auch diese Themen kontinuierlich aus. Auch hier zählt eher Klasse statt Masse. Wir möchten mit dem Shop langsam wachsen und ernten daher erst einmal die „tief hängenden Früchte“.

Alex: Speziell beim Start im E-Commerce erschlagen einen die Online-Marketing Themen wie SEO und SEA. Wie bist Du vorgegangen, hast Du bewusst bestimmte Themen(Bereiche) gestrichen oder hast Du Dich durch die Masse an Möglichkeiten gewühlt?

Markus: Hier ist weniger oftmals mehr. Gerade wenn man am Anfang mit geringen personellen Ressourcen auskommen muss, sollte man sich auf wenige Themen beschränken. Auch wenn einzelne Kanäle über Agenturen betreut werden, ist der Aufwand für den Shopbetreiber nicht zu unterschätzen. Die Agentur kann auf jeden Fall in der Anfangszeit nie die komplette Arbeit abnehmen, so dass auch sehr viel Zeit für das Briefing eingerechnet werden muss. Wir möchten daher lieber wenige Themen richtig bearbeiten, als von allem ein bisschen zu machen.

Alex: Allgemein würde es mich interessieren, wie Du bei dem Aufbau der E-Commerce Plattform den Überblick über die verschiedensten Themen, angefangen vom Payment bis hin zum Versand, RMA etc. behalten hast. Welche Tipps und Empfehlungen gibst Du angehenden Online-Shop Betreibern mit auf den Weg, die auch praktisch bei 0 beginnen?

handbuch-online-shop

Handbuch Online-Shop: Erfolgsrezepte für den Online-Handel

Markus: Zu diesem Thema gibt es interessante Literatur, konkret empfehlen kann ich z.B. das Buch „Handbuch Onlineshop“. Das ist mit Abstand das Beste auf diesem Gebiet 😉 Priorisieren ist in dem Fall das A und O. Bevor man überhaupt in die Auswahl einsteigt sollte man sich Gedanken machen, was denn die wichtigen Themen sind und worauf es im Einzelnen ankommt. Dies ist von Shop zu Shop unterschiedlich und ändert sich natürlich auch kontinuierlich. Braucht man z.B. wirklich schon zu Beginn ein vollautomatisiertes Retourenmanagement, oder ist es vielleicht günstiger zum Start etwas mehr händischen Aufwand in Kauf zu nehmen und ich dafür auf andere Themen zu konzentrieren. Die Themen müssen ständig neu priorisiert werden. Was heute vielleicht noch nicht relevant ist, kann in naher Zukunft eine große Bedeutung haben.

Alex: Um im E-Commerce erfolgreich zu sein, muss man sich von seiner Konkurrenz abheben. Welche Ideen und Pläne (soweit Du das natürlich verraten darfst 😉 hast Du bei zoologo.de, speziell im Hinblick auf die sehr starke Konkurrenz?

Markus: Wir haben nicht den einen Punkt, der uns von dem Wettbewerb unterscheidet. Wir versuchen in allen Bereichen immer ein bisschen besser als unsere Marktbegleiter zu sein. So haben wir von Anfang an schon großen Wert auf absolute Kundenorientierung gelegt. Wir möchten die Erwartungen der Kunden in diesem Bereich übertreffen. Dass uns dies schon gut gelingt zeigen auch die durchweg positiven Bewertungen über uns. Die Kollegen aus dem Kundenservice haben maximalen Entscheidungsspielraum und können so den Kunden sehr schnell zufriedenstellen.

Alex: Du kommst, wie eingangs erwähnt, aus dem Bereich der Web-Analyse. Es würde mich stark wundern, wenn Du nicht über kurz oder lang auch bei zoologo.de großen Wert auf dieses Thema legst. Viele Shop-Betreiber befassen sich damit aber praktisch kaum. Warum ist Deiner Meinung nach das Thema Web-Analyse in Hinblick auf den E-Commerce Erfolg wichtig?

Markus: Man tendiert als Verantwortlicher für den Onlineshop schnell dazu, immer von sich auf andere zu schließen. Nach dem Motto was mir gefällt finden andere auch toll werden so Funktionen im Shop optimiert. Ob diese Optimierungen tatsächlich erfolgreich waren, zeigt aber erst eine kontinuierliche Analyse des Shops. Die Webanalyse ist der Kompass der immer wieder zeigt, ob man noch auf dem richtigen Weg ist.

Alex: Welche KPIs, also Key Performance Indicatos, sind Deiner Meinung nach im Alltag besonders wichtig. Auf welche Kennzahlen achtest Du?

Markus: Regelmäßig schauen wir uns den Umsatz, die Conversion Rate und die absolute Anzahl der Besucher und den durchschnittlichen Warenkorbwert an. Das sind meiner Meinung nach die wichtigsten KPI´s um schnell einen Überblick darüber zu bekommen, was gerade im Shop los ist. Je nachdem was diese Kennzahlen aussagen muss man natürlich weiter in die Analyse gehen. Gibt es vielleicht spezielle Marketingmaßnahmen die nicht mehr so gut performen, oder liegt der Umsatzrückgang vielleicht daran, dass die Topseller Produkte nicht mehr so guten Absatz finden wie vorher. Diesen Dingen muss man dann genauer auf den Grund gehen.

Alex: Das Konsumverhalten hat sich in den letzten Jahrzehnten ja sehr stark geändert. Früher kaufte man das Hundefutter in der Tierhandlung, heute bestellt man es online. Wenn Du einen Blick in die Glaskugel wirfst, wie wird sich Deiner Meinung nach die Branche verändern?

Markus: Ich glaube, dass der Onlineanteil in dieser Branche wachsen wird. Trotzdem werden stationäre Filialen weiter ihre Existenzberechtigung haben. Der Kunde entscheidet nicht nach online oder offline sondern er entscheidet sich für den Kanal, der ihm die meisten Vorteile bringt. Im Onlinehandel ist es z.B. das größere Sortiment und die 24 Stunden „Öffnungszeiten“, die der Kunde häufig als Vorteil sieht. Stationär sind es die optimaleren Beratungsmöglichkeiten und das bessere Produkterlebnis, wobei der E-Commerce in diesen beiden Punkten auch immer mehr aufholt. Die einzelnen Kanäle sollten sich auf ihre Stärken konzentrieren und diese weiter ausbauen. Dann werden auch beide Kanäle noch lange existieren.

Alex: Bedeutet das Deiner Meinung nach in letzter Konsequenz, dass Unternehmen die auf Dauer im E-Commerce erfolgreich sein wollen auch zwangsläufigen einen „offline“ Verkaufskanal benötigen? Amazon macht testet das ja bereits ansatzweise in den USA.

Markus: Ich glaube nicht, dass für ein erfolgreiches Onlinegeschäft stationäre Filialen notwendig sind. Trotzdem gibt es natürlich Synergien die genutzt werden können und auch sollten. Ein Händler kann im jeweils anderen Kanal ebenfalls erfolgreich sein, ich glaube aber nicht dass es Voraussetzung für den Erfolg ist in allen Kanälen mitzuspielen.

Alex: Wenn Du abschließend die letzten Monate und Dein E-Commerce Projekt betrachtest: Was war Deiner Meinung nach der schwierigste und nervenaufreibende Teil und wie hast Du diesen gemeistert?

Markus: Generell kann ich sagen, dass unsere Agentur bei der Umsetzung gute Arbeit geleistet hat, so dass es zum Glück selten wirklich nervenaufreibend geworden ist.
Trotzdem kommt es aber während solch einem Projekt immer wieder zu Überraschungen, dass manche Drittsysteme nicht so funktionierten wie sie sollten. Das gehört aber dazu und lässt sich nie ganz vermeiden.

Alex: Bedeutet, dass im großen und ganzen sowohl Time, wie auch Quality und Budget eingehalten wurden? 

Markus: ja 😉

Alex: Und zu guter Letzt: Jetzt kannst Du die Werbetrommel rühren. Erzähle doch ein wenig über zoologo.de, dem dahinterstehenden Konzept und warum man unbedingt in eurem Online-Shop einkaufen sollte.

zoologo_desktopMarkus: Das ist schnell erzählt. Zoologo.de bietet ein tolles Sortiment und günstige Preise und absolute Kundenorientierung, wobei wir als Kunden nicht nur die Frauchen und Herrchen sehen, sondern wir achten auch stets darauf dass unser Sortiment tiergerecht ist. So gibt es bei uns keine Produkte, die dem Tierwohl schaden. Leider ist dies keine Selbstverständlichkeit, es werden im Internet immer noch sehr viele Produkte angeboten, die mehr als umstritten sind.

Markus, besten Dank für die Beantwortung der Fragen und die Teilnahme am Interview. Weiterhin viel Erfolg beim Aufbau und Weiterentwicklung von zoologo.de. Mögen die beteiligten Agenturen und Deine Kollegen weiterhin gute Arbeit leisten und somit kein Stress bei Dir aufkommen lassen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.